Motoren des Wirtschaftswunders

Legendäre Fahrzeuge im Postdienst

Millionen Briefe und Pakete werden täglich versandt. Damit sie schnell und zuverlässig zum Empfänger gelangen, nutzt die Post stets die modernsten Postfahrzeuge. Einige Volkswagen-Typen aus der Zeit des Wirtschaftswunders gehören heute zu den Klassikern der Automobilgeschichte und begeistern viele Fans und Sammler.

Der legendäre VW Bulli wurde tausendfach auch für die Post produziert.

Das Urteil eines Beamten der britischen Militärverwaltung 1945 über den VW-Käfer war vernichtend: "Das Fahrzeug entspricht in keiner Weise den elementarsten technischen Erfordernissen eines Automobils. Es ist zu hässlich und zu laut …" Doch die Produktion des Käfers, den Ferdinand Porsche in den 1930er Jahren entwickelt hatte, wurde nicht eingestellt. Im Gegenteil: Er wurde mit weit mehr als 22 Millionen Exemplaren zu dem am häufigsten gebauten Auto der Welt. Gleichzeitig prägte er maßgeblich den westdeutschen Postdienst.

Neben dem berühmten Käfer wurden auch Zweiräder im Postdienst genutzt, zum Beispiel die bewährte Zündapp Bella.

Für ihre speziellen Anforderungen ließ die Post den Käfer umbauen: Man verzichtete auf Rückbank und Beifahrersitz und erweiterte den Stauraum durch eine durchgängige Ladeplatte. Und passten einmal nicht alle Sendungen ins Fahrzeug, schnallte man sie einfach auf einen Dachgepäckträger. So nutzten Postler den Käfer bei der Briefkastenleerung und der Zustellung auf dem Land.

Ein typisches Bild der 1960er Jahre: Ein Landzusteller mit dem VW 147 "Fridolin".

Die sprichwörtliche Zuverlässigkeit des VW-Käfers veranlasste die damalige Bundespost, einen weiteren Typ der Wolfsburger Autobauer in den Dienst zu nehmen: den ab 1950 gebauten VW-Transporter, bekannter als "Bulli". Er eroberte schnell die Herzen der Kunden. Doch die Konstruktion der ersten Baureihe entsprach noch nicht ganz den Bedürfnissen des Postdienstes, denn das Führerhaus war vom Laderaum getrennt und ein Durchgang von vorne nach hinten nicht möglich. Außerdem schwangen die seitlichen Klapptüren nach außen, was das Be- und Entladen der Bullis im fließenden Verkehr der Innenstädte erschwerte.

Viel Platz für die Post: Der Innenraum des Fridolin ist verglichen mit heutigen Autos eher spartanisch, aber zweckmäßig und kostengünstig gestaltet.

Daher suchte die damalige Bundespost nach einem noch besser geeigneten Fahrzeug: Sie wollte nicht mehr nur ein bereits entwickeltes Auto für ihre Bedürfnisse ausbauen lassen, sondern gab bei Volkswagen die Neuentwicklung einer Spezialkonstruktion in Auftrag. Die Anforderungen waren klar: Das Fahrzeug musste kostengünstig, sparsam und robust sein und den Postlern ein effizientes Arbeiten ohne unnötige Anstrengungen ermöglichen. Gewünscht waren zwei Kubikmeter Laderaum und etwa 400 Kilogramm Nutzlast. Zwei seitliche Schiebetüren sollten das Entladen im Stadtverkehr erleichtern und die Fahrer vom Führerhaus aus den Laderaum bequem erreichen können.

Unter dem Projektnamen Typ 147 begann 1962 die Planung eines Kleinlieferwagens. Seine Erbauer gaben ihm den liebevollen Spitznamen "Fridolin", der sich schon bald einbürgerte. Der Wagen gleicht einem Puzzle aus bewährten Teilen mehrerer VW-Fahrzeugtypen: Achsen, Motor und Getriebe stammen vom Käfer, das Fahrgestell ist vom Sportwagen Karman-Ghia, die Heckklappe und die Scheinwerfer vom VW 1500, viele andere Teile vom Bulli. Zusammengebaut wurde der Fridolin in den Westfalia-Werken im ostwestfälischen Wiedenbrück. 1964 begann die Serienproduktion.

Bis ins kleinste Detail nachempfunden: Das Modell des "Fridolin" gehört zum Angebot der Deutschen Post Collection.

Mit etwa 5.200 Exemplaren wurde der praktische Kleintransporter zum Standardfahrzeug für Briefkastenleerer und Fernmeldetechniker. Dabei erwies sich sein durchdachtes Konzept als so gut, dass nun auch andere Unternehmen diese Spezialkonstruktion orderten - allein die Schweizer Post 1.201 Exemplare! Bis 1974 war der Fridolin für die Bundespost im Einsatz. Seine Grundidee wurde von Renault mit dem Kleintransporter Kangoo wieder aufgegriffen, der gegenwärtig im Posteinsatz ist. Vielleicht wird auch er einmal ein Klassiker.

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